HERKLOTZGASSE 21
und die jüdischen Räume in einem Wiener Grätzel

Das Projekt Herklotzgasse entsprang nicht einem objektiven Plan, sondern einem vagen Gefühl. Wir wussten aus einigen Erzählungen von hier Wohnenden und Arbeitende, dass das Haus, in dem wir unseren Arbeitsalltag verbringen, eine wechselvolle Vorgeschichte hat; dass es bis vor kurzem der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gehörte und dass vor dem Krieg hier JüdInnen lebten. Sonst: keine Tafel, kein Dokument, keine Gewissheit.


Wir begannen zu recherchieren und erkannten bald, dass die Herklotzgasse 21 ein Knotenpunkt für jüdisches Leben im 15. Bezirk gewesen war. Es hatte darin einen jüdischen Kindergarten, den Turnverein Makkabi XV, eine Armenausspeisung und weitere Fürsorgevereine sowie, ein Lokal der zionistischen Bezirkssektion gegeben. Und das Haus lag zwischen einer monumentalen Synagoge, dem Turnertempel, und einem orthodoxen Bethaus, der Storchenschul. All das war wenig erforscht und im Viertel weitgehend unbekannt. Jüdisches Leben in einer Wiener Vorstadtgemeinde – nicht im 2., 20. oder 9. Bezirk ...


Dann trafen wir jemanden, der hier aufgewachsen ist, von hier floh und dessen gesamte zurückbleibende Familie ermordet wurde. Er sprach vom „Dreieck seiner Kindheit“ und gab dem wenigen, das wir inzwischen wussten, eine lebendige Greifbarkeit ...