Vermittlung und Kommunikation im Erinnerungs- und Gedenkraum

Aktuell: Zusammenarbeit mit Theater in Arbeit ,der Schule Friesgasse  und dem jungen Salon 5
Zeitraum: März bis Juni 2010

13.10.2009: Diskussion mit NR Präsidentin Barbara Prammer

Ein offener Raum - Vermittlungsangebote ab Oktober 2009

Schulklassen und Jugendgruppen
Auch SchülerInnen und Kinder, als BewohnerInnen und SchülerInnen aus Bezirk, Wien und  den Bundesländern kommen, wird als Zielgruppe gesehen. Das Vermittlungsprogramm wird auf die Bedürfnisse und die Zugänge der einzelnen Gruppen abgestimmt. Aus diesem Grund werden HistorikerInnen wie Dr. Evelin Adunka eingebunden, ebenso wie erfahrene PädagogInnen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbetreuung.

Ziel ist es, nicht nur die Inhalte der Ausstellung zu vermitteln, sondern die TeilnehmerInnen dazu zu animieren, sich aktiv mit der Thematik auseinander zusetzen und sich am Workshop-Programm und den Rahmenveranstaltungen zu beteiligen.
ZeitzeugInnen und ExpertInnen stehen für vertiefende Gespräche und Fachdiskussionen zur Verfügung.
Altersgruppen: 8 bis 18 Jährige

PädagogInnen
Gemeinsam mit dem Mauthausen-Komitee entsteht ein Konzept für Workshops, das speziell für LehrerInnen/PädagogInnen/BetreuerInnen angeboten wird. Der Dialograum öffnet sich hier einer ExpertInnenzielgruppe, die ihre Erfahrungen zum Thema in der Praxis selbst schon gemacht haben, nach neuen Anregungen suchen aber auch Vielerlei Anregungen, Wünsche und Ideen mit einbringen.

 

Vermittlungsansätze:

Biografien – Parallelität

Die Ausstellung und die Workshops bringen den Schülern nicht nur die Geschichte djener Menschen, die vertrieben wurden näher, sondern sind auch eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die eigene Familiengeschichte kennen zu lernen und auf die Quellen der eigenen Identität zurückzublicken. Für viele junge Menschen ist die Begegnung mit der personalisierten Vergangenheit, die nur wenig mit den Schulbuchtexten gemein hat, eine große Überraschung und damit die Chance, die enorme Bedeutung der Geschichte und ihren Einfluss auf die Gegenwart zu entdecken....

Dialogische Vermittlung: wir laden zum Gespräch

Auch ZeitzeugInnen haben den Wunsch geäußert , mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, und so sind Gespräche und Diskussionsrunden mit den Alt-ÖsterreicherInnen / ZeitzeugInnen aus Österreich geplant.

  • Im Rahmen von Schulveranstaltungen, nach Wunsch aber auch extern organisiert werden können.
  • An Abenden werden zu speziellen Themen moderierte Gespräche mit ZeitzeugInnen und eingeladenen ExpertInnen angeboten.

Gerade das persönliche Treffen mit ZeitzeugInnen zum Themenbereich Nationalsozialismus und Holocaust („Oral History“) trägt intensiv zur Vertiefung von zeitgeschichtlichen Inhalten bei. Neben der Vorbereitung durch Literatur und schriftlichen ZeitzeugInnen-Berichten, und den auch in der Ausstellung vorwiegend zum Einsatz kommenden Videodokumentationen scheint das persönliche Treffen vor allem für junge Menschen eine der eindrucksvollsten Möglichkeiten, erfolgreich Vermittlungsarbeit leisten zu können.

(Mehrtägige) Workshops

mit 2- 3 VermittlerInnen/Support für jeweils eine Gruppe/Klasse
Kennen lernen von Haus und Ausstellung, Kennen lernen der Interviewees, der Schicksale der in der Ausstellung gezeigten Menschen. Wesentlicher Teil ist das Ansehen der Filmsequenzen und der Besprechung der Eindrücke.
Wenn es sich aus den Wünschen der PädagogInnen ergibt, werden die themenbezogenen Angebote nicht nur speziell für Altersgruppen adaptiert, sondern natürlich auch nach den Wünschen der Begleitpersonen angepasst: Themenschwerpunkte aus dem Unterricht werden übernommen, behandelt und erarbeitet. Zum Einsatz kommen auch Medien wie Film, Audiodokumente und Fotografie, der „Erlebnisraum“ Stadt und Grätzel und das Internet.

Mehrtägige Veranstaltungen werden nach Absprache geplant, sinnvoll erscheint eine Zeitspanne von 2 bis 12 Wochen zwischen den einzelnen Terminen.
Bei allen Vermittlungsprogrammen werden, je nach deren Länge, zumindest Knabbereien und Wasser angeboten, falls eine Veranstaltung länger dauern sollte, wird auch darüber hinaus Verpflegung in den Pausen zur Verfügung gestellt.

! Wir bitten dringend um Voranmeldung, eine Vorbesrpechung der Vermittlungsaktion ist für alle Besuchergruppen notwendig, um ein entsprechendes Programm bieten zu können.
Kontakt: Tel.: 01 2367612,    Mail: office@dieloop.at

 

"Erinnerungskultur und Verankerung im Hier & Jetzt“

Vermittlungsarbeit im Rahmen der Ausstellung "Das Dreieck meiner Kindheit", November 2008 bis Jänner 2009

Recherche, Aufarbeitung und die daraus folgende Ausstellung über die jüdischen Wurzeln eines Wiener Bezirks und seiner BewohnerInnen soll der heutigen Bevölkerung dieses Grätzels, des Bezirks und der Stadt näher gebracht werden. Die auslösende Kraft der Initiative zu diesem Projekt ging von einem Buch aus, das - verfasst von Inge Rowhani-Ennemoser - eine Familiengeschichte mit dem Zentrum Herklotzgasse 21 erzählt. Bei den Recherchen um dieses Haus im 15. Bezirk wurden 2 weitere Gebäude der jüdischen Geschichte „wieder entdeckt“: der ehemalige „Turnertempel“ in der Turnergasse, und die ehemalige „Storchenschul“, - beide in unmittelbarerer Umgebung. Diese drei Gebäude waren für ehemalige BewohnerInnen mit jüdischen Wurzeln wesentliche Bezugspunkte für ihr Leben in Wien und sind bis heute als lebendiger Teil ihrer Kindheit in ihrer Erinnerung geblieben.

In unterschiedlichen Ansätzen wurde das Thema Erinnerung mit Menschen aller Altersgruppen behandelt. Die jüngste BesucherInnengruppe war eine Volksschulklasse, die reifsten ein Gruppe SeniorInnen, alle hatten die Möglichkeit in derAusstellung die Lebensgeschichten von Menschen kennen zu klernen, die ehemals im Grätzel Herklotzzgasse 21 gewohnt, gearbeitet und gespielt haben, die hier zur Schule gingen und ihre besten Freund hier fanden.

Vermittlungsarbeit im Rahmen der Ausstellung. Ein Rückblick.

Bereits im Vorfeld der eigentlichen Ausstelllung wurden Jugendliche aus den umliegenden Schulen in aktiv in die Ausstellungsplanung mit einzubezogen. In Workshops in der Schule Friesgasse wurde intensiv zum Thema „Arisierungen“ gearbeitet, die in der Ausstellung präsentierten Fotos zu diesem Thema wurden von dieses Jugendlichen gemacht.

Im Gymnasium Henriettenplatz stand das Thema „erinnern“ und der aktuelle sozialräumliche Bezug der Jugendlichen zu ihrer Wohn- bzw. Schulumgebung im Mittelpunkt. Gemeinsam mit einem jungen Künstler erarbeiteten die SchülerInnen leuchtende Fotopärchen – „Leuchtgraffities“, die am 9. November im öffentlichen Raum appilziert wurden. Mit einer sozialen Betreuungeinrichtung aus dem Bezirk und der dort angesiedelten „Gesprächsgruppe“ konnten ebenfalls Fotoerinnerungen bearbeitet werden und bildeten so einen andersgewichteten Zugang zum Thema - von einer bereits sehr lebenserfahrenen Workshopgruppe, die einen intensiven Bezug zum Grätzel hat.

Nach der Ausstellungseröffung wurde das erarbeitete Vermittlungsprogramm sowohl von Schul- und Jugendgruppen, als auch von interessierten EinzelrezipientInnen intensiv genutzt.

Schulklassen wurden nach Vereinbarung vorwiegend vormittags und nach Absprache zu bestimmten Themenschwerpunkten durch die Ausstellung begleitet. In dialogischen Führungen erhielten die Jugendlichen einen Einblick in das Thema, der Inhalt der Videos und die dazu entstandenen Fragen wurden in Diskussionen erörtert. Dabei wurde besonderer Wert auf subjektive Eindrücke der jungen Menschen gelegt und ihre persönlichen Bezüge zum Thema angesprochen.

In den ersten 10 Ausstellungstagen standen ZeitzeugInnen für Gespräche zur Verfügung. Für dieses besondere Angebot zeigte sich auffallend viel Interesse: nach dem Erleben in der Ausstellung hatten Schulklassen die Möglichkeit, direkt mit jenen Personen in Kontakt zu treten, die kurz davor in den Videosequenzen von ihren Erinnerungen erzählt hatten. Dies wurde von den Jugendlichen als besondere Situation erlebt – es ergaben sich spannende Kommunikationsräume mit besonderer Atmosphäre, die besonders durch die Anwesenheit der ZeitzeugInnen geprägt wurden.

Die BesucherInnen im Rahmen der Vermittlung für Schulen waren zwischen 6 und 20 Jahren alt, entsprechend wurden Inhalte und Methoden der Vermittlung ausgewählt.
Schwerpunktgebundene Veranstaltungen – Musik, Diskussion, Tanz, Lesung – setzten ein Gegengewicht an Abenden. Gemeinsam mit KünstlerInnen und Initiativen konnten 9 verschiedene Veranstaltungen angeboten werden. Verlängerte Öffnungszeiten vor den Veranstaltungen erweiteren das Angebot und boten so einen direkten Übergang zu den Abendangeboten.

Gruppen außerschulischer Jugendbetreuungseinrichtungen sowie aus der Wiener Erwachsenenbildung wurden durch Ausstellung und Grätzel geführt und erhielten je nach Interessensschwerpunkt adaptierte Betreuung. Auch hier zeigte sich die Relevanz der Gespräche in der Ausstellung und auch danach - sowie das mit der persönlichen Auseinandersetzung erweiterte Interesse und Verständnis der BesucherInnen für die Anliegen und Ziele der Ausstellung.

Zahlen & Fakten:

Im aktiven Vermittlungsprogramm wurden 32 Gruppem zu je durchschnittlich 25 Personen erreicht.
Es konnten 840 Einzelpersonen als BesucherInnen gezählt werden.
Zu 7 verschiedenen Abend- und Sonderveranstaltungen kamen durchschnittlich 55 Personen.
Nachdem die Nachfrage zur Ausstellung auch nach dem offiziellen Ausstellungsende mit Ende November 2008 nicht nachließ und die Ausstellung noch bis Mitte Jänner aufgebaut blieb, konnten nach Voranmeldung sowohl 3 weitere Gruppenführungen als auch ca. 30 Einzelpersonen durch die Ausstellung geführt werden.
In Vorträgen an der Wiener Volkshochschule / Jüdisches Insitut für Erwachsenenbildung wurden Vorträge zum Thema angeboten, die insgesamt von ca 70 Personen in Anspruch genommen wurden.

Gesamt wurden so über 2100 Personen in Vermittlungsangeboten betreut.