WIEN-TSCHECHIEN/UNGARN

Der enorme Zuzug in die Residenzstadt und moderne Metropole Wien wurde in der Gründerzeit generell vor allem aus den nördlichen und östlichen Kronländern der Monarchie gespeist.
Mit noch größerer Ausschließlichkeit gilt das für die jüdische Bevölkerung. Denn außer den bekannten „7 Gemeinden“ des Burgenlandes, die lange Zeit zu Ungarn gehört hatten, gab es in den mehrheitlich deutschsprachigen Kerngebieten der Monarchie (dem heutigen Österreich) aufgrund älterer Vertreibungen, vor allem jener von 1669–71, keine jüdischen Land- und Kleinstadtgemeinden, sodass ein Zuzug aus diesem Raum kaum bestand. Dieser kam – über mehrere Generationen hinweg – aus Böhmen und Mähren, Ungarn, dem bis 1918 auch die Slowakei angehörte, und Galizien.
1880, zum Höhepunkt der Einwanderung nach Wien, waren nur 38,5% der Wiener Bevölkerung in Wien geboren, ganze 26,7% in Böhmen und Mähren. Zum selben Zeitpunkt waren nur 30,8% der jüdischen Bevölkerung in Wien geboren, 27,8% kamen aus Ungarn, 22,6% aus Böhmen und Mähren und 10,7% aus Galizien.
In der Geschichte der Gemeinde „Sechshaus“ fällt unter anderem die große Zahl der JüdInnen auf, die aus dem damals überwiegend deutschsprachige Nikolsburg (Milulov) kamen.


Nach März 1938 kehrte sich die Richtung der Migration einmal mehr um. 1669–71 waren die Wiener JüdInnen nach Böhmen, Mähren und Ungarn geflohen; ihre Nachkommen wanderten im Verlauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu Zehntausenden nach Wien ein; und nun flohen viele WienerInnen aufgrund von Verwandtschaftsbeziehungen und der räumlichen Nähe vorerst in die Tschechoslowakei, wo sie im März 1939 von der NS-Okkupation eingeholt wurden. Die nach Ungarn Geflohenen wurden 1944 von der deutschen Okkupation eingeholt – zu einem Zeitpunkt, als Flucht weitgehend unmöglich war.


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